Freitag, 13.01.2017

Naturwissenschaftlicher Treff

Messelfossilien – Dieter Schmitt stellt sein Hobby vor

Referent: Dieter Schmitt, Donnersdorf

Unser Mitglied Dieter Schmitt beschäftigt sich seit den 1970er Jahren mit der Grube Messel und den hier angetroffenen Fossilien.

Nach einem kurzen Einführungsfilm, der die Entstehungsgeschichte der Ablagerungen des UNESCO-Weltnaturerbes „Grube Messel“ und den komplizierten Weg der Unter-Schutz-Stellung der Grube zum Inhalt hatte, stellte uns Dieter Schmitt die wichtigsten Fossilgruppen und ihre Erhaltungsformen vor. Hierfür hatte er neben zahlreichen Bildern auch präparierte Fossilien und Abgüsse von Fossilien mitgebracht.

Die Grube Messel ist für ihren Fossilreichtum und die besonders gute Erhaltung von Detailstrukturen weltberühmt. Neben den (unterschiedlichen) Urpferdchen wurden hier Fische, Schlidkröten, Fledermäuse, Schlangen, aber auch Insekten und Käfer gefunden. Eine Besonderheit bildeten dabei farblich (erhaltene?) Käfer. Über die Entstehung der Farben (primär oder sekundär) entwickelte sich eine kleine Diskussion.

Die fossilführenden Ölschieferablagerungen besitzen eozänes Alter und kamen vor etwa 48 Millionen Jahren in einer Maarstruktur zur Ablagerung. Der Grund für den Fossilreichtum bei gleichzeitig guter Erhaltung könnte folgenden Hintergrund haben: Die Tiere kamen an den Maarsee zum Saufen. Aufsteigende giftige (postvulkanische) Dämpfe führten dazu, dass die Tiere betäubt in den See fielen und ertranken.

Die Veranstaltung bot die Möglickeit zur Diskussion über die Gesteine, ihre Entstehungsgeschichte sowie die schwierigen Präparationsmöglichkeiten der hier gefundenen Fossilien.

Wir danken unserem Mitglied, Herrn Dieter Schmitt für diese sehr informativen Veranstaltung und deren aufwändige Vorbereitung und allen, die mitdiskutiert haben.

Freitag, 27.01.2017

Vortrag: Im Land der Kraniche und der Seeadler

Referent:. Gunther Zieger

Der Naturfreund und Hobbyfotograf Gunther Zieger berichte aus seiner angestammten Heimat Vorpommern. In einem mit zahlreichen Bildern gehaltenen Vortrag stellte er einige Naturgebiete in Deutschlands Nordosten vor und berichtete u.a. von ehrenamtlichen Einsätzen als Vogelwart. Schwerpunkte der reichhaltig  bebilderten Reise bildeten die Vogelschutzinsel Langenwerder, der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaften,  der Anklamer Stadtbruch, die Vogelschutzinsel Riether Werder, der Galenbecker See und die Feldberger Seenlandschaft.

Gunther Zieger versteht es, sich quasi laut- und bewegungslos dem „Zielobjekt“ zu nähern. Auf diese Weise gelingen ihm großartige Nahaufnahmen von Vögeln. Darüber hinaus besitzt er die Gabe, das passende Motiv im „richtigen“ Augenblick einzufangen (z.B. Kraniche vor der aufgehenden Sonne), sowie ein reichhaltiges Fachwissen zu Vögeln (Art- und Verhaltens-Kenntnisse).

Wir danken Herrn Zieger, dass er uns auf seine eindrucksvolle Reise ins Land der Kraniche mitgenommen hat, in dem es soviel Interssantes und Beeindruckendes zu sehen und mitzuerleben gibt und freuen uns auf unbekannte fränkische „Vogel-Perspektiven“ 2018.


 

Freitag, 10.03.2017

Vortrag: Die Unkenbachniederung im Jahreslauf –

Botanisch-landschaftskundliche Betrachtungen

aus 30 Jahren

Referent: Prof. Dr. Winfried Türk, Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Winfried Türk berichtete in einem reich bebilderten Vortrag über seine 30 jährigen Naturbeobachtungen entlang des Unkenbachs (im Abschnitt Sulzheimer Gipshügel – Schwebheim). Besonderen Augenmerk legte er dabei auf die Gegenüberstellung der historische Situation (z.B. der Grettstädter Wiesen) mit der Veränderung der Naturlandschaft durch die Landnutzung (Trockenlegung) und mit Ansätzen und Möglichkeiten zur (Teil-)Renaturierung. Darüber hinaus erklärte er die unterschiedlichen geologischen Situationen der einzelnen Teilabschnitte des Unkenbachtals und deren Auswirkungen auf die Flora.

Die wichtigsten Erkenntnisse hierzu stellte er uns auch auf seiner Exkursion durch die Unkenbachniederung am 29.04.2017 vor. Daher wird an dieser Stelle auf den dortigen Exkursionsbericht verwiesen.

Wir danken Herrn Prof. Winfried Türk, für seinen interessanten Vortrag und dafür, dass er 2017 sowohl einen Fachvortrag, als auch eine Exkursion für unseren Verein gehalten hat.

 

Freitag, 31.03.2017

Visuelle Illusionen und Sehphänomene - Ein Mitmachvortrag über Wahrnehmungstäuschungen von Augen und Gehirn

Referentin und Bericht: Petra Schemmel, Schweinfurt

Visuelle Illusionen bzw. optische Täuschungen werden definiert als unbewusste Schlüsse, die im Wahrnehmungsvorgang enthalten sind/sein können oder unbewusste Schlüsse, die durch bereits gemachte Erfahrungen ähnlicher Wahrnehmung bestimmt sind.

Vorgang des Sehens: das Auge besteht aus Hornhaut, Augenkammer, Pupille, Iris (Regenbogenhaut), Linse, Glaskörper, Retina (Netzhaut), gelber Fleck (Makula), Sehnerv und Augenmuskeln. Licht fällt durch die Hornhaut, die das Auge schützt und die Pupille, die den Lichteinfall bestimmt. Die Größe der Pupille entsteht durch Bewegung der Iris mithilfe der inneren Augenmuskeln. Das Licht wird über die Augenlinse (eine Sammel- bzw. Konvexlinse) gebrochen und auf die Retina geleitet. Die Lichtbrechung der Linse, d.h. Nah- und Fernsicht, wird ebenfalls mithilfe der inneren Augenmuskeln gesteuert. Die äußeren Augenmuskeln bewegen das Auge. Auf der Retina befinden sich ca. 126 Millionen Sehzellen (Photorezeptoren), die Zapfen und die Stäbchen. Stäbchen (ca. 120 Millionen) erkennen Grautöne und sind auf der gesamten Netzhaut verteilt, Zapfen (ca. 6 Millionen) sind für das farbige und scharfe Sehen verantwortlich und liegen weitgehend im nur 3-5 mm großen Bereich der Makula. Die Retina dient, vereinfacht gesehen, als Projektionsfläche für das Bild, das in unser Auge fällt. Die Interpretation des Bildes geschieht über das Gehirn, das seine Information durch den Sehnerv erhält. Die Austrittsstelle des Sehnervs, ein Bereich von 1,6-1,7 mm, enthält keine Photorezeptoren und wird der blinde Fleck genannt. Um ein vollständiges Bild zu erhalten, fügt das Gehirn an dieser Stelle eine entsprechende Information ein, vergleichbar mit einem Puzzle, bei dem ein Teil fehlt und nachträglich hergestellt wird. Es wird hierbei der wahrscheinlichste Erfahrungswert eingesetzt, der nicht zwangsläufig mit der Realität übereinstimmt. Beides, sowohl das Vorhandensein des blinden Flecks, als auch das Einfügen der wahrscheinlichsten Information, lässt sich durch einfache Tests feststellen.

Das auf die Retina projizierte Bild ist, da durch die Linse gebrochen, verkleinert und auf den Kopf gestellt, was ebenfalls vom Gehirn entsprechend angepasst wird.

Im 19. Jhd. erkannte der Physiologe und Physiker Hermann v. Helmholtz, dass das Auge keine brauchbaren Sehresultate liefern kann. Die Wahrnehmung kommt durch unbewusste Schlüsse aufgrund vorhandener Wahrnehmungserfahrung zustande:

1) das Licht kommt i.d.R. von oben

2) die allgemeine Blickrichtung ist horizontal

3) Gesichter werden in aufrechter Position erkannt

4) Gegenstände werden nicht von unten gesehen

5) es gibt keinen doppelten Schatten bei Beleuchtung mit einer Lichtquelle

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand die Gestaltpsychologie als neue psychologische Richtung und Teil der Wahrnehmungspsychologie.

Die Wahrnehmungspsychologie untersucht den subjektiven Teil der Wahrnehmung, der rein physiologisch nicht erklärt werden kann.

Die Gestaltpsychologie beschreibt die menschliche Fähigkeit, Strukturen und Ordungsprinzipen in Sinneseindrücken auszumachen. Sie widmet sich der Untersuchung, wie der Mensch Ganzheiten (= Gestalten) wahrnimmt. Folgende Gesetze der Wahrnehmung wurden erkannt und beschrieben:

Gesetz der Prägnanz: prägnante Formen sind einfach strukturierte, einprägsame Gestalten, die uns im täglichen Leben ständig begegnen und verinnerlicht wurden. Je prägnanter eine wahrgenommene Gestalt hinsichtlich Einfachheit, Regelmäßigkeit und Symmetrie ist, desto schneller und sicherer wird sie wiedererkannt.

Gesetz der Nähe: Elemente, die geringe Abstände zueinander haben, werden als zusammengehörig wahrgenommen.

Gesetz der Ähnlichkeit: einander ähnliche Elemente werden eher als zusammengehörig empfunden, als einander unähnliche Elemente.

Gesetz der Fortsetzung/Kontinuität: Gestalten, die eine Fortsetzung vorheriger Gestalten zu sein scheinen, werden als zusammengehörig wahrgenommen.

Linien werden so wahrgenommen, als folgten sie dem leichtesten Weg.

Gesetz der Geschlossenheit: Linien, die eine Fläche umschließen, werden als eher zusammengehörig wahrgenommen, als solche, die das nicht tun.

Es besteht die Neigung, Gruppen von Einzelelementen als eine geschlossene Form wahrzunehmen.

Gesetz der gemeinsamen Bewegung: zwei oder mehr Elemente, die sich gleichzeitig in eine Richtung bewegen, werden als Einheit wahrgenommen.

Gesetz der gemeinsamen Region: Elemente in abgegrenzten Gebieten werden als zusammengehörig empfunden.

Gesetz der Gleichzeitigkeit: Elemente, die sich gleichzeitig verändern, werden als zusammengehörig empfunden (dieses Gesetz kommt nur im Bereich der Animation zur Geltung).

Gesetz der verbunden Elemente: miteinander verbundene Elemente werden als ein Objekt wahrgenommen.

Täuschungen und Sehphänomene

Geometrisch-optische Täuschungen:

Unser Wahrnehmungssystem ist auf dreidimensionale Deutung ausgerichtet und bevorzugt prägnante und einfache Formen, z. B. rechte Winkel. Ist kein rechter Winkel vorhanden, wird versucht, nicht rechte Winkel, wenn möglich, umzudeuten, was zu Verzerrungen führen kann, die zwar nicht vorhanden sind, aber als solche gesehen werden. Außerdem gilt: stumpfe Winkel haben Vorrang vor spitzen Winkeln. Entsprechend können parallele Linien als zueinander gekippt und gleich lange Linien als ungleich lang empfunden werden (Beispiele hierfür sind die Müller-Lyer-Täuschung, Delboeuf-Täuschung, Poggendorff-Täuschung, Zöllner-Täuschung, Hering-Täuschung, Abbildungen hierzu finden sich in diversen Büchern und dem Internet).

Weitere räumliche Täuschungen:

Horizontal-Vertikal-Täuschung: die vertikale (senkrechte) Blickrichtung wird der horizontalen (waagrechten) vorgezogen. Beispiel: bei einer vertikalen Linie, die mittig auf einer horizontalen sitzt und mit dieser gleich lang ist, erscheint die vertikale länger.

Oppel-Kundt-Täuschung: eine Strecke zwischen zwei Linien, die durch regelmäßig angeordnete, gleiche Elemente unterteilt ist, erscheint länger, als eine gleich lange Strecke zwischen Linien ohne Unterteilung.

Titchener-Täuschung: zwei gleich große Kreise sind von anderen, jeweils gleich großen Kreisen umgeben, einmal von größeren Kreisen, der eine von größeren Kreisen, der andere von kleineren. Der Kreis mit den ihn umgebenden größeren Kreisen wird als deutlich kleiner wahrgenommen, als der mit den ihn umgebenden kleineren Kreisen. Hier liegt die Täuschung in der Perspektive, die die umgebenden Kreise vermitteln; der Kreis mit den größeren Kreisen wird vom Betrachter als weiter weg empfunden, als der Kreis mit den kleineren Kreisen, muss deshalb auch zwangsläufig kleiner sein und wird entsprechend gesehen, da das Gehirn auf Dreidimensionalität ausgerichtet ist und diese auch in der zweidimensionalen Darstellung erkennen will.

Nachbilder

Ein positives Nachbild erhält man, wenn man in eine sehr helle Lichtquelle sieht und danach die Augen schließt. Für kurze Zeit ist ein heller Fleck erkennbar. Die Ursachen für das positive Nachbild sind noch weitgehend unklar.

Wenn man für einige Zeit ein einfarbiges Element fixiert und anschließend auf eine weiße Fläche sieht, erkennt man das Element in der Komplementärfarbe; das ist die Farbe, die mit der Ursprungsfarbe gemischt den Eindruck ‚weiß‘ ergibt. Man nennt dies ein negatives Nachbild. Es entsteht durch Reizung der Photorezeptoren im Auge, die nach einiger Zeit ermüden; sie werden inaktiv, während die noch aktiven, da nicht gereizten Photorezeptoren weiter arbeiten. So entsteht ein imaginäres Bild in Komplementärfarben.

Mehrdeutige Wahrnehmungen

Kippfiguren sind Abbildungen, die bei längerer Betrachtung zu spontanen Gestalt- bzw. Wahrnehmungswechseln führen können. Ein Bespiel hierfür ist der Necker-Würfel. Das Phänomen ist nicht hinreichend geklärt. Möglich ist die Sättigungs- oder Ermüdungstheorie, die besagt, dass für die jeweiligen Ansichten ein spezifischer physiologischer Vorgang zuständig sei, der nach einer gewissen Zeit zur Ermüdung führe und somit die Wahrnehmung auf die andere Perspektive umspringe. Es ist dadurch aber nicht geklärt, weshalb die Wahrnehmungsumkehr nicht bei jeder Person eintritt.

Vexierbilder sind mehrdeutige Bilder. Sie lassen verschiedene Interpretationen zu und werden auch als Such- oder Rätselbilder bezeichnet. Es gibt Drehbilder, die auf den Kopf gestellt ein anderes Motiv zeigen, Detail vs. Ganzes Vexierbilder, die aus vielen Details bestehen, als Ganzes gesehen aber ein anderes Motiv ergeben und Kipp-Vexierbilder, die sich auf mehrere Arten interpretieren lassen. Das zuerst gesehene Motiv bleibt hier meist dominant und welches zuerst gesehen wird, ist individuell verschieden und nicht vorhersehbar. Bei Kipp-Vexierbildern wird i.d.R. nur eine Interpretation erkannt, wenn man nicht weiß, dass es noch eine weitere Möglichkeit gibt. Es gibt keinen automatischen Kippeffekt.

Reflexion und Refraktion

Reflexion ist das Zurückwerfen elektromagnetischer Wellen an einer Grenzfläche, z. B. an einem Spiegel. Die Augen sehen einfallendes Licht so, als würde es von einem Ausgangspunkt geradlinig in sie hineinfallen, auch bei reflektiertem Licht. So wird in der Reflexion Dreidimensionalität erkannt, die nicht vorhanden ist. Reflexionen (also Spiegelungen) werden z. B. als optische Raumvergrößerung genutzt.

Refraktion ist Lichtbrechung mithilfe eines entsprechenden Mediums, wie Wasser oder Linsen.

Scheinbewegung

Das menschliche Gehirn nimmt schon eine Abfolge von 14 bis 16 Bildern pro Sekunde als Bewegung wahr. Ein klassischer Kinofilm wird in 24 Bildern pro Sekunde gedreht. Es handelt sich hierbei um eine Scheinbewegung, eine tatsächliche Bewegung findet nicht statt. Variante: zwei verschiedene Bilder werden sehr schnell ständig wechselnd gezeigt. Das Gehirn kann die beiden Einzelbilder nicht mehr voneinander unterscheiden und legt sie übereinander.

Stereosehen

Um einen räumlichen Seheindruck zu erreichen, benötigt man mindestens zwei Augen, die dem Gehirn annähernd gleiche Seheindrücke liefern. Die Netzeindrücke beider Augen zeigen Bilder, die sich aufgrund des Augenabstands geringfügig voneinander unterscheiden. Das Gehirn verschmilzt diese beiden Bilder zu einem einzigen Bild mit räumlicher Dimension, d.h. wir sehen dreidimensional.

Die Stereoskopie nutzt diese Technik, um einen räumlichen Eindruck von Tiefe zu erzeugen, der physikalisch nicht vorhanden ist. Es werden zwei Bilder erzeugt, die in Augenabstand voneinander aufgenommen wurden, entweder mit einer Spezialkamera beide gleichzeitig, oder mit einer normalen Kamera hintereinander aufgenommen. Diese Bilder werden übereinandergelegt und erzeugen den Eindruck von Dreidimensionalität; es gibt hierzu verschiedene Techniken. Die Stereoskopie wird heute für 3D-Filme genutzt, war aber bereits im 19. Jahrhundert bekannt und sehr populär.

Ein Stereogramm ist eine grafische Darstellung, die auf den ersten Blick als willkürliche Ansammlung von Mustern erscheint, aber mit einer spezifischen Betrachtungsweise (Hindurchsehen/Schielen = Stereoblick) eine räumliche Tiefe entstehen lässt und dabei ein anders nicht wahrnehmbares, anscheinend dreidimensionales Bild zeigt.

Wir danken Frau Petra Schemmel für dieses interessante Thema, das sie uns mit zahlreichen Bildern und Mach-Mit-Übungen präsentierte. Bei einigen Übungen war man über das Ergebnis überrascht, wie die Abbildungen im Folgenden zeigen (Zusammenstellung: Petra Schemmel). Ein weiterer Dank für den Bericht mit den Erklärungen der Sehphänomene.



 

Samstag, 29.04.2017

Durch die Unkenbachniederung - Wanderung von der Riedwiese zu den Gipshügeln durch die Reste des einstigen Grettstätter Moors

Referent: Prof. Dr. Winfried Türk, Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Bericht: Dietlind Hußlein, Schweinfurt

Durch die Unkenbachniederung

– Bericht von Dietlind Hußlein

32 Interessierte versammelten sich am Samstag, den 29.4.2017, um den Ausführungen von Prof. Dr. Winfried Türk zu den Höhepunkten der Unkenbachniederungen zu lauschen. Die 5-stündige Wanderung erweiterte sich – wie zu erwarten – auf 7 Stunden. Das Wetter war gemischt. Die Sonne wagte sich vor allem am Ende heraus, aber dazwischen drohte der Regen, der uns aber verschonte. Nach dem etwas komplizierten Umstellen der Autos, begannen wir unsere Tour:

 

Folgende Punkte stellte Türk besonders hervor

-     die  Riedwiese

-     das Riedholz

-     die Dolinen im Gipskeuper

-     das Moorhäg, den winzigen Rest des ehemaligen Moors

-     die Dünenbereiche und  Sandmagerrasenstellen

-     den Sulzheimer  Gipshügel.

 

In der Unkenbachaue  war einmal ein Niedermoor!! ….

Die Unkenbachniederung verläuft an der Grenze zwischen dem Grenzdolomit (ein hartes Meeresgestein) und dem Gipskeuper (eine jüngere Schicht, ein toniges Gipsgestein aus der Zeit des Gipskeupers). Prof. Dr. Türk und der Geologe Dr. Büttner versuchten, das anschaulich zu demonstrieren. Die Senke war nicht nur durch die (primäre) Geologie sondern auch durch den „Urmain“ verursacht. Hier hatte sich ein See gebildet, der langsam verlandete. Absterbende Pflanzen sanken in die Tiefe, wurden wegen Sauerstoffmangels nicht vollständig zersetzt und bildeten mit der Zeit Torf.

Reste vom Moor findet man heute nur noch im Moorhäg, in das wir am Rande ganz achtsam einen Blick werfen durften, um Moorpflanzen wie z.B.  den Kleinen Baldrian (Valeriana dioica) oder den Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) zu sehen; heute findet man dort v.a. Nässezeiger  wie Sumpfdotterblume (Caltha palustris) oder Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacoris).

Seit der Nacheiszeit hat sich in der Unkenbachaue der Mensch angesiedelt und die Landschaft verändert. Er hat die Wälder genutzt als Viehweide und Holzlieferant. Im Riedholz konnten wir an den tiefverzweigten Bäumen erkennen, dass dort ehemals Mittelwaldbewirtschaftung stattgefunden haben muss. Durch diese Bewirtschaftung kam im Frühjahr viel Licht auf den Boden, was den Frühjahrsblühern, wie z.B. Bärlauch (Allium ursinum) oder Maiglöckchen (Convallaria majalis), zugute  kam.

Immer wieder betonte Türk, dass hier nirgends mehr Urwald ist. .

Von dem ehemahligen Bürgermeister von Schwebheim Herrn Fritz Roßdeutscher ist überliefert, dass das Riedholz im 20. Jahrhundert stark geplündert wurde. Die Schwebheimer hatten wohl schon lange Weide-  und Holzrechte im Riedholz. Dann sei der Wald an das Geschlecht der Bibra verkauft worden und die haben viele große Bäume v.a. Eichen entnommen. Als es an die Bundesrepublik verkauft wurde, hat der Bundesforst in den 1960er und 1970er Jahren auch wieder möglichst alle dicken Bäume herausgeholt und wiederum v.a. Eichen. Den Niedergang des Waldes erkennend hat die Gemeinde in letzter Minute den Wald gekauft.

So ist der Wald heute kein besonders guter Mittelwald; dennoch hat Roßdeutscher - der damalige Bürgermeister -  den Wald vor weiterer Zerstörung gerettet. Die frühere Hartholzaue mit Eichen und Ulmen (die Ulme soll hier früher eine häufige Baumart gewesen sein) ist heute eher in einen Erlenbruchwald übergegangen. Entwässerungsmaßnahmen, Aufforstung und andere Eingriffe haben den Wald verändert. Durch Absenkung des Grundwassers wegen des Ackerbaus wird der Torf, der laut Prof. Zeidler hier 6m mächtig gewesen sein soll, rasch zerstört. Denn kommt Sauerstoff an den Torf, dann können sauerstoffliebende Bakterien  den Torf in kurzer Zeit  abbauen. Die Böden hier sind kalkhaltige, humus- und basenreiche Moorböden, die an Schwarzerdeböden erinnern und einen guten Ackerboden darstellen würden.

Heute sind im Riedholz Renaturierungsmaßnahmen angesagt, d.h. der Wasserhaushalt des Waldes wird reguliert - wenn dies auch oft von Landwirten boykottiert wird, weil sie ihre Felder trocken haben möchten. Nur wenn es zu wenig regnet, dann soll das Wasser doch bitte irgendwoher kommen!!!

Wir stehen inzwischen vor einer Doline. Türk warnt uns, dass uns der Boden im Wald plötzlich verschlucken könnte. Die Ursache  liegt darin, dass der Gipskeuper (ein toniges Gestein) Gipslinsen enthält. Wenn diese im Bereich des Grundwasserniveaus vorkommen, löst sich der Gips (CaSO4 x 2 H2O) langsam auf. Der Boden bricht dann plötzlich ein. Es entsteht eine Doline – plötzlich! 

Die Riedwiese - eine besondere Wiese; auch Gründelloch genannt – ein unebenes Gelände. Früher wurde hier der Quellkalk (Travertin) abgebaut. Heute ist das Gebiet strengstens geschützt. Es ist ein Kleinod. Es entstand an ehemals besonders nassen Standorten. In einem so nassen Quellmoorgebiet war wohl nie Wald möglich. So konnten sich Pflanzen aus der Eiszeit erhalten (die letzte  Eiszeit ging vor 10 000 Jahren zu Ende). So finden wir hier z.B. die Trollblume (Trollius europäus) - eigentlich eine Gebirgspflanze.

Im Grettstädter Graben, der durch das „Moor“  fließt, sind Kalkalgen bzw. Armleuchteralgen (Characeen) zu sehen. Es ist ein Nachhall von einem ehemals großen See. Schon vor Tausenden von Jahren lebten Characeen in solchen kalkhaltigen Gewässern. Sie brauchen Kalk, weil sie für ihre Standfestigkeit Kalk einlagern. Zusammen mit kleinen Gehäuseschneckenschalen entsteht ein Sediment, die Seekreide. An einer Stelle in der Riedwiese kann man die Seekreide bewundern.

Die Riedwiese ist eine Pfeifengraswiese mit einem großen Pflanzenartenreichtum. 60 - 70 höhere Pflanzenarten sind hier zu finden. Nur Kalkmagerwiesen weisen mehr Pflanzenarten auf. Kennzeichnend für die Pfeifengraswiese sind neben dem Pfeifengras (Molinia caerulea) z.B. die Mehlprimel (Primula farinosa), die Sumpf-Wolfsmilch (Euphorbia palustre), der Kleine Träubel (Muscari botryoides) und viele andere mehr. Türk meint, es  wäre  ein gutes Zeichen für die richtigen Pflegemaßnahmen, weil sich die Mehlprimel sogar verbreitet.

Auf dem Weg zum letzten Höhepunkt der Exkursion den Gipshügeln sind noch einige Sandmagerreste zu finden, aber es seien die schönsten bayernweit. Der Grund ist, dass es kalkhaltige Sande aus der Nacheiszeit sind. Dazu kommt das warme, sommertrockene Klima.

Durch Verdunstung wird der Kalk aus dem darunter liegenden Gestein im Sand immer wieder erneuert. So finden wir typische Sandzeiger wie die Grasnelke (Armeria maritima) und den Echten Schafschwingel (Festuca ovina) und Kalkzeiger wie das Frühlings-Fingerkraut (Potentilla neumanniana) oder die Feld-Hainsimse (Luzula campestre). Dass der Sandmagerrasen sehr trocken ist, erkennt man an Anpassungen z.B. bei der Grau-Kresse (Berteroa incana): Sie hat eine Pfahlwurzel, die Blätter sind grau durch die vielen Haare als Verdunstungsschutz; das ist ein Schutz vor Wind (windstille Zone unter den Haaren) und Sonne.  - Dieser Sandmagerrasen ist auch noch am Rand eines Eichen-Kiefernwaldes in sonnenexponierter Lage – das ist eine große Seltenheit.

Beim Schafhof weist Türk darauf hin, dass die Schafe bei der Wanderschäferei früher viele Pflanzen eingeschleppt haben.

Ansonsten sind die Flugsandgebiete landwirtschaftlich genutzt z.B. als Spargelacker. Deshalb sind wenige Moorreste übrig geblieben.

Nun schon todmüde noch zu den Sulzheimer Gipshügeln – ein Begriff für Wissenschaftler ganz Deutschlands. Sie sind eine der wertvollsten Lebensraumtypen in Nordbayern. Es ist das größte Steppenvorkommen in Bayern. Dieser Raum sieht aus wie eine späteiszeitliche Steppe. Wenn der Wald nach Osten hin aufhört, dann schließen sich die Federgrassteppen an. Es sind kontinentale Relikte aus der Eiszeit und Nacheiszeit. Wegen der Sommertrockenheit sind es Klimainseln.

Die Gründe dafür sind:

1.     Der Gipsboden (CaSO4) hält das Wasser weniger als Kalk (CaCO3)

2       Hier war der Mensch viele Jahrtausende aktiv. Ursprünglich war hier überall Wald, der durch die Waldweide zurückgedrängt wurde. 

3      Das sommertrockene Klima

Die Gipsadern im Untergrund sind nur örtlich ausgebildet. An der Holzspitze weiter vorne liegt schon dicker Ton. So konnte dort ein Eichen-Hainbuchenwald entstehen.

Hier in den Gipshügeln sind 2 Zeiten vor allem bedeutend:

Erster Aspekt im Frühjahr:

mit der Küchenschelle (Pulsatilla vernalis) und  dem Adonisröschen (Adonis vernalis)

Zweiter Aspekt im Juni:

2 Federgrasarten: das Echte Federgras (Stipa pennata) und das Pfriemengras (Stipa capillata)

Im Postglazial (vor 8000 – 5000 Jahren) war die Durchschnittstemperatur 2-3°C wärmer als heute. In dieser Zeit gab es hier keine Buchen. Deshalb waren lichtbedürftige Pflanzen damals verbreitet. Zusätzlich hielten große Pflanzenfresser die Landschaft offen. So finden wir heute noch kontinentale Arten als Steppenrelikte wie z.B. das Kleine Mädesüß (Filipendula vulgaris),  aber auch Seltenheiten wie den Dänischen Tragant (Astragalus danicus) und die Gras-Schwertlilie (Iris graminea).

Nach einer sehr interessanten 7-stündigen Exkursion ohne eine Pause finden sich noch 10 Teilnehmer zusammen um die Exkursion im Gasthaus  ausklingen zu lassen.

Winfried Türk kann spannend erzählen, weil er von jeder Pflanze weiß, warum sie gerade hier wachsen kann. Aber er weiß auch die großen Zusammenhänge auf zu zeigen. So kann jeder Teilnehmer sein Wissen erweitern. Dadurch wird es eben sehr lang, - für manche vielleicht zu lang. Ich jedenfalls höre gern und auch  ganz  lange sehr  aufmerksam zu.

… Soweit der Bericht von Frau Hußlein

Wir danken Prof. Winfried Türk, dass er sich mit uns auf den Weg gemacht hat, um uns die Besonderheiten der Unkenbachniederung zu zeigen. Es waren nicht nur die großen „Highlights“ wie die Mehlprimel und die Trollblumen, es waren auch die vorborgenen Gänge der Sandwespe, die uns staunen ließen. Winfried Türk hat uns an Ecken geführt, wo nicht jedermann ohne weiteres hingehen würde. Dies bedeutet natürlich auch eine entsprechende Ortskenntnis und Vorbereitung und all das, trotz seines Dienst- und Wohnortes in Ostwestfalen-Lippe … Dafür Dir lieber Winfried großen Dank!!

Ein weiterter Dank gilt Frau Dietlind Hußlein für die Berichterstellung, Konrad Roth für die Anfertigung der Pflanzenliste und dem Team Hußlein – Roth et al. für die Auflistung der besonderen Faunenelemente.

 

 

 

Herr Roth hat während der Exkursion (außer den Gipshügeln) die Ende April erkennbaren Pflanzen aufgenommen. Hier die Liste


 

1.      

Acer campestre

Feld-Ahorn

2.      

Acer platanoides

Spitz-Ahorn

3.      

Acer pseudoplatanus

Berg-Ahorn

4.      

Aegopodium podagraria

Giersch

5.      

Achillea millefolium

Gemeine Schafgarbe

6.      

Achillea ptarmica

Bertram-(=Sumpf)Schafgarbe

7.      

Adonis vernalis

Frühlings-Adonis

8.      

Aesculus hippocastanum

Gemeine Roßkastanie

9.      

Agrimonia eupatoria

Kleiner Odermennig

10.   

Ajuga reptans

Kriechender Günsel

11.   

Allium oleraceum

Gemüse-Lauch

12.   

Alium ursinum

Bärlauch

13.   

Alliaria petiolata

Knoblauchs-Rauke

14.   

Alnus glutinosa

Schwarz-Erle

15.   

Anemone nemorosa

Busch-Windröschen

16.   

Anemone ranunculoides

Gelbes Windröschen

17.   

Anemone sylvestris

Großes Windröschen

18.   

Anthriscus sylvestris

Wiesen-Kerbel

19.   

Aquilegia vulgare

Gemeine Akelei

20.   

Arabis hirsuta

Rauhaarige Gänsekresse

21.   

Arctium nemorosum

Hain-Klette

22.   

Arctium tomentosum

Filz-Klette

23.   

Artemisia campestre

Feld-Beifuß

24.   

Artemisia vulgaris

Gemeiner Beifuß

25.   

Arum maculatum

Aronstab

26.   

Asarum europaeum

Haselwurz

27.   

Astragalus glycyphyllos

Bärenschote,

28.   

Barbarea vulgaris

Barbarakraut

29.   

Bellis perennis

Gänseblümchen

30.   

Berula erecta

Schmalblättriger Merk

31.   

Betula pendula

Hänge-Birke (Gewöhnliche B.)

32.   

Bupleurum falcatum

Sichel-Hasenohr

33.   

Caltha palustre

Sumpfdotterblume

34.   

Campanula rapunculoides

Acker-Glockenbume.

35.   

Capsella bursa-pastoris

Hirtentäschel

36.   

Cardamine hirsuta

Viermänniges Schaumkraut

37.   

Cardamine pratense

Wiesen-Schaumkraut

38.   

Cardaria draba

Pfeilkresse

39.   

Carduus acanthoides

(acanthus = Stachel)

Stachel-Distel

40.   

Carlina vulgaris

Golddistel

41.   

Carpinus betulus

Hainbuche

42.   

Centaurea jacea

Wiesen-Flockenblume

43.   

Centaurea scabiosa

Skabiosen-Flockenblume

44.   

Cerastium arvense

Acker-Hornkraut

45.   

Cerastium glomeratum

Knäuel-Hornkraut

46.   

Cerastium glutinosum

Bleiches Zwerg-Hornkraut

47.   

Cerastium holosteoides

Gemeines Hornkraut

48.   

Chaerophyllum aureum

Gold-Kälberkropf

49.   

Chaerophyllum bulbosum

Rüben-Kälberkropf

50.   

Chelidonium majus

Schöllkraut

51.   

Chenopodium album

Weißer Gänsefuß

52.   

Cichorium intybus

Gemeine Wegwarte

53.   

Cirsium arvense

Acker-Kratzdistel

54.   

Cirsium oleraceum

Kohl-Kratzdistel

55.   

Clematis vitalba

Gemeine Waldrebe

56.   

Colchicum autumnale

Herbstzeitlose

57.   

Convallaria majalis

Maiglöckchen

58.   

Convolvulus arvense

Acker-Winde

59.   

Conyza canadensis

Kanadisches Berufkraut

60.   

Cornus sanguinea

Roter Hartriegel

61.   

Corydalis cava

Hohler Lerchensporn

62.   

Corydalis solida

Gefingerter Lerchensporn

63.   

Corylus avellana

Gemeine Hasel

64.   

Crataegus laevigata

Zweigrifflicher Weißdorn

65.   

Crataegus monogyna

Eingriffliger Weißdorn

66.   

Daphne mezereum

Gemeiner Seidelbast

67.   

Datura stramonium

Weißer Stechapfel

68.   

Daucus carota

Wilde Möhre

69.   

Descurainia sophia

Gemeine Besenrauke

70.   

Dianthus carthusianorum

Karthäuser-Nelke

71.   

Dianthus delthoides

Heide-Nelke

72.   

Echium vulgare

Natternkopf

73.   

Equisetum arvense

Acker-Schachtelhalm

74.   

Erodium cicutarium

Gemeiner Reiherschnabel

75.   

Euonymus europaea

Europäisches Pfaffenhütchen

76.   

Erophila verna

Frühl.–Hungerblümchen

77.   

Eryngium campestre

Feldmannstreu

78.   

Euphorbia cyperissias

Zypressen-Wolfsmilch

79.   

Euphorbia helioscopa

Sonnwend-Wolfsmilch

80.   

Fagus sylvatica

Rot-Buche

81.   

Falcaria vulgaris

Gemeine Sichelmöhre

82.   

Filipendula ulmaria

Mädesüß

83.   

Filipendula vulgaris

Kleines Mädesüß

84.   

Fragaria viridis

Knackelbeere

85.   

Fraxinus excelsior

Esche

86.   

Frangula alnus

Faulbaum

87.   

Fumaria officinalis

Gemeiner Erdrauch

88.   

Gagea lutea

Wald-Goldstern

89.   

Galium album

Weißes Labkraut

90.   

Galium aparine

Klebriges Labkraut

91.   

Galium sylvaticum

Wald-Labkraut

92.   

Galium verum

Echtes Labkraut

93.   

Geranium pratense

Wiesen-Storchschnabel

94.   

Geranium pusillum

Zwerg-Storchschnabel

95.   

Geranium pyrenaicum

Pyrenäen-Storchschnabel

96.   

Geranium robertianum

Ruprechtskraut

97.   

Geum urbanum

Echte Nelkenwurz

98.   

Glechoma hederacea

Gundermann

99.   

Hedera helix

Efeu

100.                                                                           

Heracleum sphondylium

Wiesen-Bärenklau

101.                                                                           

Holosteum umbellatum

Dolden-Spurre

102.                                                                           

Humulus lupulus

Gemeiner Hopfen

103.                                                                           

Hypericum perforatum

Tüpfel-Hartheu

104.                                                                           

Hypochoeris radicata

Gemeines Ferkelkraut

105.                                                                           

Inula salicina

 Weidenblättr. Alant

106.                                                                           

Iris pseudacorus

Wasser-Schwertlilie

107.                                                                           

Iris sibirica 

Sibirische Schwertlilie

108.                                                                           

Lamium album

Weiße Taubnessel

109.                                                                           

Lamium amplexicaule

Stengelumfassende Taubnessel

110.                                                                           

Lamium galeobdolon ssp argentata

silberblättr. Goldnessel

111.                                                                           

Lamium maculatum

Gefleckte Taubnessel

112.                                                                           

Lamium purpureum

Purpurrote Taubnessel

113.                                                                           

Latyrus pratense

Wiesen-Platterbse

114.                                                                           

Lathyrus vernus

Frühlings-Platterbse

115.                                                                           

Lepidium campestre

Feld-Kresse

116.                                                                           

Leucanthemum ircutianum

Zahnöhrchen-Margarite

117.                                                                           

Ligustrum vulgare

Liguster

118.                                                                           

Lilium martagon

Türkenbund

119.                                                                           

Listera ovata

Großes Zweiblatt

120.                                                                           

Lonicera xylosteum

Rote Heckenkirsche

121.                                                                           

Lotus corniculatus

Hornklee

122.                                                                           

Lycopus europaeus

Ufer-Wolfstrapp

123.                                                                           

Lysimachia punctata

Drüsiger Gilbweiderich

124.                                                                           

Malus domesticus

Haus-Apfel

125.                                                                           

Medicago lupulina

Hopfenklee

126.                                                                           

Maianthemum bifolium

Zweiblättr. Schattenblume

127.                                                                           

Mentha aquatica

Wasser-Minze

128.                                                                           

Mercurialis perennis

Ausdauerndes Bingelkraut

129.                                                                           

Moehringia trinerva

Dreinervige Miere

130.                                                                           

Muscari armeniacum

Armenischer Träubel

131.                                                                           

Muscari botryoides

Kleiner Träubel

132.                                                                           

Muscari neglectum

Übersehener Träubel

133.                                                                           

Myosotis  arvensis (Boraginaceae)

Acker-Vergißmeinnicht

134.                                                                           

Myosotis scorpioides

Sumpf-Vergissmeinnicht

135.                                                                           

Onobrychis viciifolia

Futter-Esparsette

136.                                                                           

Origanum vulgare

Wilder Dost

137.                                                                           

Paris quadrifolia

Einbeere

138.                                                                           

Peucedanum cervaria

Hirsch-Haarstrang

139.                                                                           

Peucedanum officinale

Echter Haarstrang

140.                                                                           

Phyteuma spicata

Ährige Teufelskralle

141.                                                                           

Pinus sylvestris

Gemeine Kiefer

142.                                                                           

Plantago lanceolata

Spitz-Wegerich

143.                                                                           

Plantago major

Großer Wegerich

144.                                                                           

Plantago media

Mittlerer Wegerich

145.                                                                           

Polygonum aviculare

Vogel-Knöterich

146.                                                                           

Populus x canadensis

Kanadische Pappel

147.                                                                           

Populus nigra

Schwarz-Pappel

148.                                                                           

Populus tremulus

Zitter-Pappel

149.                                                                           

Potentilla anserina

Gänse-Fingerkraut

150.                                                                           

Potentilla argentea

Silber-Fingerkraut

151.                                                                           

Potentilla neumanniana

Frühlings-Fingerkraut

152.                                                                           

Potentilla reptans

Kriechendes Fingerkraut

153.                                                                           

Primula elatior

Hohe Schlüsselblume

154.                                                                           

Primula farinosa

Mehl-Primel

155.                                                                           

Primula veris

Wiesen-Schlüsselblume

156.                                                                           

Prunus avium

Süßkirsche =Vogelkirsche)

157.                                                                           

Prunus padus

Traubenkirsche

158.                                                                           

Prunus serotina

Späte Traubenkirsche

159.                                                                           

Prunus spinosa

Schlehe

160.                                                                           

Pseudotsuga menziesii

Douglasie

161.                                                                           

Pulmonaria obscura

Dunkles Lungenkraut

162.                                                                           

Pulsatilla vulgaris

Gemeine Küchenschelle

163.                                                                           

Pyrus pyraster

Wild-Birne

164.                                                                           

Quercus petraea

Trauben-Eiche

165.                                                                           

Quercus robur

Stiel-Eiche

166.                                                                           

Ranunculus auricomus

Goldschopf-Hahnenfuß

167.                                                                           

Ranunculus acris

Scharfer Hahnenfuß

168.                                                                           

Ranunculus bulbosus

Knolliger Hahnenfuß

169.                                                                           

Ranunculus ficaria

Scharbockskraut

170.                                                                           

Ranunculus repens

Kriechender Hahnenfuß

171.                                                                           

Rhamnus cathartica

Purgier-Kreuzdorn

172.                                                                           

Robinia pseudoacacia

Robinie

173.                                                                           

Rosa canina

Hunds-Rose

174.                                                                           

Rosa rubiginosa

Wein-Rose

175.                                                                           

Rubus armeniacus

Garten-Brombeere

176.                                                                           

Rubus caesius

Kratzbeere

177.                                                                           

Rumex acetosella ssp acetosella

Kleiner Sauerampfer

178.                                                                           

Rumex acetosa

Wiesen-Sauerampfer

179.                                                                           

Rumex crispus

Krauser Ampfer

180.                                                                           

Rumex obstusifolius

Breitbl. Sauerampfer

181.                                                                           

Salix alba

Silber-Weide

182.                                                                           

Salix caprea

Sal-Weide

183.                                                                           

Salix cineraria

Grau-Weide

184.                                                                           

Salix fragilis

Bruch-Weide

185.                                                                           

Salix x rubens

Hohe Weide

186.                                                                           

Salix x sepulcralis

Trauer-Weide

187.                                                                           

Salix x smithiana (femina x caprea)

 

188.                                                                           

Salix triandra

Mandel-Weide

189.                                                                           

Salvia pratense

Wiesen-Salbei

190.                                                                           

Sambucus nigra

Schwarzer Holunder

191.                                                                           

Sambucus racemosus

Roter (Hirsch-)Holunder

192.                                                                           

Sanguisorba minor (= polygama)

Kleiner Wiesenknopf

193.                                                                           

Sanguisorba officinale

Großer Wiesenknopf

194.                                                                           

Saxifraga granulata

Körnchen-Steinbrech

195.                                                                           

Scrophularia nodosa

Knotige Braunwurz

196.                                                                           

Seseli libanotis (heute Libanotis pyrenaica)

Berg-Heilwurz

197.                                                                           

Silene (Lychnis) flos-cuculi

Kuckucks-Lichtnelke

198.                                                                           

Silene latifolia ssp alba

Weiße Lichtnelke

199.                                                                           

Silene (Lychnis) viscaria

Gewöhnliche Pech-Nelke

200.                                                                           

Silene vulgaris

Gewöhnliches (=Taubenkropf-)Leimkraut

201.                                                                           

Sisymbrium officinale

Wege-Rauke

202.                                                                           

Sonchus arvense

Acker-Gänsedistel

203.                                                                           

Stachys sylvatica

Wald-Ziest

204.                                                                           

Stellaria holostea

Echte Miere, Große Sternmiere

205.                                                                           

Stellaria media

Vogel-Sternmiere

206.                                                                           

Stellaria pallida

Bleiche Sternmiere

207.                                                                           

Symphytum officinale

Gemeiner Beinwell

208.                                                                           

Tanacetum corymbosum

Ebensträußige Margarite

209.                                                                           

Taraxacum rubicunda

Rotsamiger Löwenzahn

210.                                                                           

Thalictrum flavum

Gelbe Wiesenraute

211.                                                                           

Thesium  linophyllon

Mittleres Vermeinkraut

212.                                                                           

Thlaspi arvense

Acker-Hellerkraut

213.                                                                           

Thlaspi perfoliatum

Durchwachsenblättriges Hellerkraut

214.                                                                           

Thymus pulegioides

Gemeiner Thymian

215.                                                                           

Tragopogon dubius

Großer Bocksbart

216.                                                                           

Trifolium arvense

Hasen-Klee

217.                                                                           

Trifolium pratense

Rot-Klee

218.                                                                           

Trifolium repens

Weiß-Klee

219.                                                                           

Tripleurospermum perforatum

Geruchlose  Kamille

220.                                                                           

Trollius europaeus

Trollblume

221.                                                                           

Typha latifolia

Breitblättriger Rohrkolben

222.                                                                           

Ulmus glabra

Berg-Ulme

223.                                                                           

Ulmus x hollandica

Hybrid-Ulme zw minor u.glabra

224.                                                                           

Ulmus laevis

Flatter-Ulme

225.                                                                           

Ulmus minor

Feld-Ulme

226.                                                                           

Urtica dioica

Große Brennnessel

227.                                                                           

Valeriana officinale

Echter Baldrian

228.                                                                           

Valeriana officinale ssp pratense

 

229.                                                                           

Valerianella locusta

Gemeines Rapünzchen

230.                                                                           

Veronica arvensis

Feld-Ehrenpreis

231.                                                                           

Veronica chamaedrys

Gamander-Ehrenpreis

232.                                                                           

Veronica persica

Persischer Ehrenpreis

233.                                                                           

Viburnum lantana

Wolliger Schneeball

234.                                                                           

Viburnum opulus

Gemeiner Schneeball

235.                                                                           

Vicia cracca ssp tenuifolia

Vogel-Wicke

236.                                                                           

Vicia sativa ssp angustifolia

Saat-Wicke

237.                                                                           

Vicia sepium

Zaun-Wicke

238.                                                                           

Viola arvensis

Feld-Stiefmütterchen

239.                                                                           

Viola hirta

Rauhhaar-Veilchen

240.                                                                           

Viola mirabilis

Wunder-Veilchen

 

Gräser

241.                                                                                 

Carex acutiformis

Sumpf-Segge (=Sonderbare Segge)

242.                                                                                 

Carex caryophyllea

Frühlings-Segge

243.                                                                                 

Carex digitata

Finger-Segge

244.                                                                                 

Carex flacca

Blaugrüne Segge (=Schlaffe Segge)

245.                                                                                 

Carex montana

Berg-Segge

246.                                                                                 

Carex präcox

Frühe Segge

247.                                                                                 

Carex  pseudocyperus

Scheinzyper-Segge

248.                                                                                 

Carex riparia

Ufer-Segge

249.                                                                                 

Carex tomentosa

Filz-Segge

250.                                                                                 

Scirpus sylvatica

Wald-Simse; Waldbinse (=Waldhirse)

251.                                                                                 

Agrostis canina

Hunds-Straußgras

252.                                                                                 

Agrostis stolonifera

Weißes Straußgras

253.                                                                                 

Allopecurus pratense

Wiesen-Fuchsschwanz

254.                                                                                 

Anthoxanthum odoratum

Gewöhnliches Ruchgras

255.                                                                                 

Arrhenatherum elatius

Glatthafer

256.                                                                                 

Brachypodium pinnatum

Fieder-Zwenke

257.                                                                                 

Brachypodium sylvaticum

Wald-Zwenke

258.                                                                                 

Briza media

Gewöhnliches Zittergras

259.                                                                                 

Bromus hordeaceus

Weiche Trespe

260.                                                                                 

Bromus inermis

Unbegrannte Trespe

261.                                                                                 

Bromus sterilis

Taube Trespe

262.                                                                                 

Calamagrostis epigejos

Land-Reitgras

263.                                                                                 

Dactylis glomerata

Wiesen-Knäuelgras

264.                                                                                 

Deschampsia cespitosa

Rasen-Schmiele

265.                                                                                 

Deschampsia flexuosa

Draht-Schmiele (=Schlängel-Schmiele)

266.                                                                                 

Elymus canina

Hunds-Quecke

267.                                                                                 

Elymus (Elytrigia) repens

Gemeine Quecke

268.                                                                                 

Festuca arundinacea

Rohr-Schwingel

269.                                                                                 

Festuca ovina agg

Echter Schafschwingel

270.                                                                                 

Festuca pratense

Wiesen-Schwingel

271.                                                                                 

Juncus articulatus

Glieder-Binse

272.                                                                                 

Juncus effusus

Flatter-Binse

273.                                                                                 

Lolium perenne

Deutsches Weidelgras

274.                                                                                 

Luzula campestre

Gemeine Hainbinse

275.                                                                                 

Melica picta

Buntes-Perlgas

276.                                                                                 

Melica nutans

Nickendes Perlgras

277.                                                                                 

Phalaris arundinacea

Rohr-Glanzgras

278.                                                                                 

Phragmites australis

Schilf

279.                                                                                 

Poa angustifolia

Schmalblättriges Rispengras

280.                                                                                 

Poa annua

Einjähriges Rispengras

281.                                                                                 

Poa nemoralis

Hain-(Heil-Hitler) Rispengras

282.                                                                                 

Poa pratensis agg

Wiesen-Rispengras

 

Vögel (31)

Amsel, Baumpieper (9 Ex), Bachstelze, Blaumeise, Buchfink, Buntspecht, Dorngrasmücke, Eichelhäher, Feldlerche, Fitis, Goldammer, Grauammer,  Grünspecht, Halsbandschnäpper,  Klappergrasmücke, Kohlmeise, Misteldrossel, Mönchsgrasmücke,  Nachtigall, Ortolan,  Ringeltaube, Rohrweihe, Rotkehlchen, Singdrossel, Star, Stieglitz, Trauerschnäpper,  Turmfalke, Wachholderdrossel,  Wendehals, Zilpzalp

Andere Tiere

Grasfrosch,  Zauneidechse, Feldgrille (Gryllus campestris), Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni), Aurorafalter (Anthocharis carcamines)

 


 

Samstag, 06.05.2017

Arbeitskreis Steine in der Stadt - Stadtrundgang mit Objektaufnahme

Objektauswahl u. Bericht: Dr. Georg Büttner

Die Route verlief diesmal über die Marktplatz-Nordseite zum Martin-Luther-Platz (Johanniskirche, Rückseite Stadtmuseum), von dort über die Lange Zehntstraße (Altbau-Sanierung-Krönlein-Areal) in die Rückertstraße (Neubau + ehemal. „Husselgebäude“), von der Rückertstraße aus auf den Wichtermann-Platz (Fassade Vinothek Hotel Ross u. Hugendubel) über den Roßmarkt in die Wolfsgasse (freigelgte Fassade vor Spezialtäten-Geschäft) zur nordöstlichen Stadtmauer.

(neue) Schwerpunkte waren:

Nordwest Ecke Marktplatz:

Gegenüberstellung Ceppo di Gre  - Brannenburger Nagelfuh. Das Gebäude ist vorwiegend mit Ceppo di Gre verkleidet, weil einige Platten brachen kam als Sanierungsstein Brannenburger Nagelfluh zum Einsatz. Solange sich dieser auf wenige Steine begrenzt, wird das ursprünglich graue Erscheinungsbild kaum verändert.

Bei beiden Gesteinen handelt es sich um transportierte Ablagerungen, die in situ durch Kalkausscheidung aus zirkulierenden karbonatischen Wässern verkittet wurden. Beide Gesteine stammen aus dem Umfeld der Alpen.

Der Ceppo di Gre ist eine Brekzie, also ein Gestein, das aus ungerundeten (eckigen) Komponenten besteht. Es handelt sich dabei v.a. um graue Karbonate. Es handelt sich primär um ein Gestein mit geringer Transportweite und exakt definierten Einzugsgebiet.

Der Nagelfluh ist war ursprünglich ein Flussschotter. Er besteht aus gerundeten Komponenten (wird also als Konglomerat bezeichnet). Er weist ein breites Kornspektrum auf, in dem z.B. auch Kristallin der Zentralalpen enthalten ist. Er stammt aus Brannenburg.

Johanniskirche:

Hier wurde diskutiert, dass bei der Sanierung der Kriegsschäden wahrscheinlich auch gelb/grün-violetter Schilf-sandstein (des Mittleren Keupers) verbaut wurde. Dafür sprechen die großen Quader an den Türmen.

Rückseite Museum:

Hier befindet sich eine Sandsteinmauer mit gelbgrünen und violetten Sandsteinen (Bruchsteine: kuW und / oder kmS). Das Alter der Mauer ist unklar; z.T. rotbraun-gefärbte Sandsteine weisen auf Hitze hin (möglicherweise Sandsteine aus Bombenschäden). Die Mauer könnte demnach, trotz der verbauten Gewölbesteine, relativ jung sein.

Sanierung Krönleingebäude:

Anhand der mitgebrachten Fotos wurde ausgeführt, dass das Fachwerk z.T. mit unformatiertem Sandstein (ku) ausgekleidet wurde. Die Fensterrahmen im Erdgeschoss wurden mit Sandsteinen dem Original nachempfunden. Das Gestein ist jedoch kein Sandstein aus dem Unteren Keuper.

Neubau Rückertstraße:

Das moderne Gebäude wird von vielen als nicht unbedingt schön empfunden. Es erscheint den meisten Teilnehmern im Vergleich zu den Nachbargebäuden als zu hoch. Die Fassade besteht aus einem aufgehängten grauen Kalkstein des Weißen Jura („Jura-Marmor“). Der Stein ist gesägt, was ein helles Erscheinungsbild bewirkt. Es bleibt abzuwarten ob, und falls, wie (schnell) die Fassade grau(er) patiniert. Vereinzelt sind Faunenreste (insbes. Schwämme und Belemniten erkennbar). Derzeit stellt sie aus Sicht der Stadt-Steine eine Bereicherung dar.


Wichtermannplatz

Vinothek Hotel Ross:

Die Fenster sind mit einem grau-grünen Gestein (säulig) begrenzt. Es handelt sich dabei um einen Kalkstein, der längsgerieft ist, was ihm zusätzlich Struktur und Helligkeit verleiht. Bei näherem Hinsehen sind faunistische Reste deutlich zu erkennen.

Fassade Hugendubel:

Hier wurde das Erdgeschoss mit beige-farbenem Juramarmor verkleidet. Der Farbton erscheint „wärmer“ als der Stein in der Rückertstraße. Es sind zahlreiche Faunenreste, wie Schwämme, Belemniten und Ammoniten erkennbar.

Krönlein-Neubau:

Es wurde darauf hingewiesen, dass im Zuge des Neubaus die Serpentinit-Säulen im Erdgeschoß verloren gingen.

Wolfsgasse, Spezialtäten-Geschäft:

Durch die Freilegung der vorher verkleideten Fassade wurde beidseits des Schaufensters ein grauer Kalkstein sichtbar. Deutlich erkennbar sind darin Faunenreste (fragliche Korallen), was ein paläozoisches Alter wahrscheinlich macht. Der sicherlich nicht billige Stein wurde wahrscheinlich in 60er oder 70er Jahren verwendet. Es ist derzeit das einzige derartige Gestein in der Schweinfurter Innenstadt und stellt aus Sicht der Stadt-Steine eine Bereicherung dar.

Nordwestliche Stadtmauer

Die Sanierung der Stadtmauer erfolgte dem Vorbild entsprechend mit dichten (mikritischen) und kristallinen (sparitischen) Kalksteinen der Normalfazies des Oberen Muschelkalks. Diese Gesteine sind in der Regel dünnbankig, die Oberflächen meist unbearbeitet.

Neubau-Höpperlesturm:

Der Neubau ist den bestehenden bzw. erhalten gebliebenen Stadttürmen nachempfunden. Als Stein kam meist dünn- bis mittelbankiger Quaderkalk zum Einsatz. Dieser unterscheidet sich etwas von den Steinen, die in der Stadtmauer und in den historischen Türmen verwendetet wurden. Er weist vorwiegend kristallines (sparitisches) Gefüge auf und ist i.d.R. dickbankiger, was ggf. eine Bearbeitung nötig macht. Außerdem wittert er häufig (typisch) braun an, was in den Kalksteinen der Normalfazies seltener der Fall ist. Durch die Gegenüberstellung der verwendeten Gesteine an der sanierten nördlichen Stadtmauer wird dieser Unterschied sehr deutlich. Hierdurch wird zumindest dem Spezialisten klar, dass es sich bei dem Höpperlesturm nicht um ein historisches Bauwerk handelt.

Gedenkstein am Durchgang:

Bei dem hier neu aufgestellten Kalkstein handelt es sich um einen teils verkarsteten, stark schillführenden Kalkstein aus dem Unteren Muschelkalk. Der Stein ist auch ohne die Aufschrift ein Hingucker!

Die Gruppe umfasste knapp 15 Teilnehmer, auch diesmal mit zahlreichen neuen Gesichtern und Gästen. Daher kommt es immer wieder zu Wiederholungen, auf die jedoch im Bericht nich eingegangen wurde. Es wurde eifrig diskutiert und fotografiert, was ja Ziel eines Arbeitskreises sein soll.

Die Veranstaltung dauerte fast 3 Stunden, was dem gesetzten Ziel entsprach. Im Anschluss daran traf man sich beim gemeinsamen Kaffeetrinken zum Nachkolloquium.

Mein Dank gilt den Fotografen für ihre schönen Bilder und allen Teilnehmern für die Diskussionsbeiträge

 


 

Freitag, 19.05.2017

PowerPoint-Vortrag: Der Waldkauz Vogel des Jahres 2017

Referentin und Bericht: Dietlind Hußlein, Schweinfurt

Der „Vogel des Jahres 2017 – der Waldkauz“

Der Ruf des Waldkauzes als Hintergrundsound eines  Krimis  – zum Gruseln schön, der Ruf eines Todesboten, unheimlich, schaudererregend. In der Antike war der Steinkauz  z.B.  der „Vogel der Weisheit“ und war Begleiter der Göttin Athene. Im Mittelalter wurden Eulen zum Botschafter von Unglück und Tod, Helfer Satans oder Verkünder von Seuchen und Depression.

 

Warum hat man Angst vor einem Vogel, der dem Menschen nichts zuleide tut?

Er kann durch die besondere Ausformung seiner Federn lautlos durch die Nacht fliegen. Plötzlich ist er da, ohne dass wir ihn wahrgenommen haben. Da auch er sich vor größeren Vögeln wie dem Habicht, dem Uhu und anderen Feinden in Acht nehmen muss, ist er dämmerungs- bzw. nachtaktiv und, wie sein Name sagt, ursprünglich ein Waldvogel. Er sieht auch bei geringem Licht viel besser als wir Menschen, aber vor allem kann er exzellent hören. Dabei hilft der Gesichtsschleier, die Geräusche einzufangen und die asymmetrisch angeordneten Ohren lassen die Beute genau orten. Dazu ist er durch sein graubraunes, rindenfarbig geschippertes Gefieder bestens getarnt.

All das macht den Waldkauz für uns unheimlich. Dennoch ist sein dicker, runder Kopf, sein weiches Gefieder für den Menschen Auslöser des „Kindchenschemas“. Das löst bei uns Menschen ein Verhalten aus, ein Tier zu streicheln oder zu liebkosen. Insgesamt löst es also ein widersprüchliches Verhalten bei uns Menschen aus.

 

Der Weltbestand sei stabil!! Laut offizieller Aussage sei seit 25 Jahren (Angaben von 2012) beim Bestand des Waldkauzes keine Veränderung festgestellt  worden.  Ich persönlich und Mitstreiter unserer OAG (Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft) stellen allerdings fest, dass er dort, wo er noch vor kurzem zu hören war, verschwunden ist. Es könnte sein, dass es teilweise durch die Zunahme des Uhus begründet ist.

Der Waldkauz ist sehr anpassungsfähig bei der Wahl der Nahrung als auch des Nistplatzes. Dennoch sieht seine Zukunft bedenklich aus. Das Fällen alter Höhlenbäume, eintönige Wälder und die ausgeräumte Agrarlandschaft ohne Beutetiere sind die größten Gefahren für einen gesunden Waldkauzbestand. Das heißt der Erhalt und die Entwicklung strukturreicher Wälder, in denen eine ausreichend große Zahl alter Bäume mit entsprechend vielen Höhlen als Brutstätten bzw. Unterschlupf zur Verfügung stehen, ist notwendig. Und es verlangt ein Nicht-Eingreifen in den Entwicklungsprozess eines größeren Teils unserer Wälder.

Dann hätten alle Tiere der Nacht – für die der Vogel des Jahres 2017 steht - und nicht  nur der Waldkauz - eine Zukunft.

Wir danken Frau Dietlind Hußlein, dass sie uns wie bereits seit vielen Jahren auch heuer den Vogel des Jahres vorgestellt hat sowie für ihren Bericht.

 

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Samstag, 20.05.2017

Naturkundliche Wanderung um den Maßberg nordöstlich Rannungen: Geologie, Ornithologie und Botanik

Referenten: Konrad Roth, Maibach, Dietlind Hußlein, Schweinfurt, Helmut Müller, Stadtlauringen

Bericht: Dietlind Hußlein

18 Teilnehmer fanden sich zu einem Beobachtungsgang ein. Nach den stürmischen Vortagen hatte sich das Wetter wieder beruhigt. Für einen Naturgang gerade richtig. Es war nicht zu kalt und nicht zu warm und auch kein Regen.

Es ist ein sehr schöner Wald. In der Botanik ist immer nur ein Teil der Pflanzen gerade in Blüte z.B. der Diptam. Er wächst hier in einem großen Bestand, allerdings war er noch nicht aufgeblüht. Dagegen war die Frühlingsplatterbse schon fast verblüht. Man konnte gut zeigen, dass die frischen Blüten rot und die verblühenden blau und violett werden. Der pH-Wert in der Zelle ändert sich im Laufe der Blühzeit. Dieses Phänomen konnte man ebenso feststellen bei dem noch in Resten blühenden Dunklen Lungenkraut (Pulmonaria obscura), sowie beim Purpurblauen Steinsamen (Buglossoides purpurocaerulea). Auch ein einige Orchideen konnten entdeckt werden, wie z.B. die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) im Abblühen, eine Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis) und ein wunderschönes frisch aufgeblühtes Exemplar des Purpur-Knabenkrautes (Orchis purpurea). Zusammen mit der Vorexkursion haben wir über 200 Pflanzenarten festgestellt. Das beweist, dass wir uns in einem sehr artenreichen Wald befinden.

Das liegt nicht zuletzt auch an dem geologischen Untergrund, dem Unteren Muschelkalk. Die Gräben, die zum Teil den Waldweg begleiten, zeugen davon, dass man hier die Schaumkalkbank genutzt hat für den Hausbau.

Für die Vogelwelt sind dagegen eher die Strukturen wie Wald, Offenlandschaft mit Wiesen, Hecken oder Steinriegeln ausschlaggebend. Letztere wurden wohl als Ausgleichsmaßnahme für Flächenverbrauch angelegt. So konnten wir z.B. den nicht sehr häufigen Neuntöter beobachten - wenn auch etwas entfernt. Am Waldrand war die selten gewordene Turteltaube zu hören und im Wald hat uns der Waldlaubsänger fast auf der gesamten Strecke begleitet. So haben mir einige Teilnehmer versichert, dass sie seine Stimme nicht mehr vergessen werden.

Am Ende waren die Teilnehmer wohl ganz zufrieden mit einem schönen und sehr lehrreichen Angebot. Mit einem Besuch im Hühnernest in Hambach ließen wir die Exkursion ausklingen

Im Folgenden  die gesamte Pflanzenliste einschließlich der Vorexkursion

1.      

Acer campestre

Feld-Ahorn

2.      

Acer platanoides

Spitz-Ahorn

3.      

Acer pseudoplatanus

Berg-Ahorn

4.      

Aegopodium podagraria

Giersch

5.      

Achillea millefolium

Gemeine Schafgarbe

6.      

Ajuga reptans

Kriechender-Günsel

7.      

Ajuga x hybrida

Hybrid-Günsel Reptans x genevensis

8.      

Allium vineale

Weinbergs-Lauch

9.      

Alliaria petiolata

Knoblauchs-Rauke

10.   

Anemone nemorosa

Busch-Windröschen

11.   

Anemone sylvestris

Großes Windröschen

12.   

Anthemis tinctoria

Färber- Hundskamille

13.   

Anthericum ramosum

Ästige Graslilie

14.   

Anthriscus sylvestris

Wiesen-Kerbel

15.   

Aquilegia vulgare

Gemeine Akelei

16.   

Arctium nemorosum

Hain-Klette

17.   

Artemisia vulgaris

Gemeiner Beifuß

18.   

Artemisia verlotiorum

Verlotscher Beifuß

19.   

Aruncus dioica

Wald-Geissbart

20.   

Asarum europaeum

Haselwurz

21.   

Astragalus glycyphyllos

Bärenschote,

22.   

Atropa bella-donna

Tollkirsche

23.   

Betula pendula

Hänge-Birke (Gewöhnliche B.)

24.   

 Buglossoides purpurocoerulea

Purpurblauer Steinsame

25.   

Bupleurum falcatum

Sichel-Hasenohr

26.   

Campanula trachelium

Nesselblättrige Glockenblume

27.   

Capsella bursa-pastoris

Hirtentäschel

28.   

Cardamine impatiens

Spring- Schaumkraut

29.   

Carlina vulgaris

Golddistel

30.   

Carpinus betulus

Hainbuche

31.   

Centaurea jacea

Wiesen-Flockenblume

32.   

Centaurea montana

Berg-Flockenblume

33.   

Centaurea scabiosa

Skabiosen-Flockenblume

34.   

Cephalanthera damasonium

Bleiches Waldvögelein

35.   

Cerastium glutinosum

Bleiches Zwerg-Hornkraut

36.   

Cerastium holosteoides

Gemeines Hornkraut