Abschnitt 1: Veranstaltungen des Naturwissenschaftlichen Vereins im Jahr 2014

Freitag, 10.01.2014; Naturwissenschaftlicher Treff:

Eiszeitliche Gerölle aus Skandinavien

Referent und Bericht: Francise Leopold Huber, Schweinfurt

Unser Mitglied, Herr Francise Huber, hat mehrere Jahrzehnte eiszeitliche Gerölle in Norddeutschland gesammelt und sich mit ihrer Herkunft und ihrem Gesteinsalter beschäftigt. In einer Präsentation stellte er uns seine Erkenntnisse hierzu und auch die Grundzüge der Norddeutschen Vereisung vor.

Für viele Urlauber am Ostseestrand ist das Sammeln von Steinen ein besonderes Vergnügen. Aber auch der geologisch Interessierte findet an den Stränden der Ostsee und sogar weit im Hinterland der norddeutschen Tiefebene viele Spuren der erdgeschichtlichen Entwicklung. Die Geröllstrände stellen ein Zeitfenster dar, durch das man vom Proterozoikum (2.500 bis 542 Mio. Jahre) bis in die heutige Zeit hinein alle geologischen Entwicklungen darstellen kann.

Die Ostsee und das norddeutsche Tiefland sind ein Produkt verschiedener Eiszeiten, der Elstereiszeit (vor ca. 500.000 Jahren), sowie der darauf folgenden Saale- und Weichseleiszeit. Ohne die durch die Eiszeiten bewegten Gesteinsmassen, Gerölle und Sande, aus Skandinavien wäre das norddeutsche Tiefland weitestgehend von Wasser bedeckt.

Eiszeitliche Schleifspuren können sich an vielen Gesteinsformationen in Skandinavien aber auch an Ostsee-Findlingen ablesen. Der baltische Schild Skandinaviens erodierte weit vor der o.a. Eiszeit, so dass die Gerölle durch eiszeitliche Schubkräfte nach Süden verbracht wurden.


Grafik: Francise L. Huber

Signaturen: blau: Eis; ockerfarben: Festland

Die geographischen Bezeichnungen dienen der Orientierung


Die am Ostseestrand aufgefundenen Gesteine lassen sich ziemlich genau den Gesteinsvorkommen in Schweden, Norwegen und Finnland zuordnen. Am Strand findet man:

Sedimentgesteine wie Kalkstein, Sandstein, Konglomerat, Schiefer und Feuerstein,

Magmatite als Vulkanite wie Porphyr, Basalt, Diabas oder Plutonite wie Granit, Diorit, Gabbro und

metamorphische Gesteine wie z.B. Gneise, Quarzite, Glimmerschiefer.

Ferner Fossilien wie Seeigel, Donnerkeile und so genannte Hühnergötter (Feuersteine mit Loch).


Bilder / Gerölle: Francise L. Huber

Literatur

Frank Rudolph: Strandsteine, Wachholtzverlag, Neumünster 2009

Rolf Reinicke, Steine am Ostseestrand, Demmler Verlag

Kurt-Dietmar Schmidtke, Die Entstehung Schleswig-Holsteins, Wachholtzverlag

www.kristallin.de

Wir danken Herrn Huber für seinen interessanten Vortrag, für die zahlreichen mitgebrachten Steine und seinen Bericht. Allen Teilnehmern danken wir für ihre angeregte Diskussion.


Freitag, 07.02.2014, Vortrag:

Die Öko-Katastrophe vor 252 Millionen Jahren.

Was wissen wir vom größten Massenaussterben der Erdgeschichte?

Referent: Klaus-Peter Kelber, Würzburg

Bericht: Günter Stürmer, Schweinfurt

Der Referent erläuterte die erdgeschichtliche Entwicklung mit den wichtigsten Ereignissen. Dabei verwendete er für die Einschätzung des Alters der Erde von 4527 Mio. Jahren als Beispiel eine Schnurlänge von 24 m für 250 Mio. Jahre. Hiermit ist für das Alter der Erde eine Schnurlänge von 452,7 m erforderlich, für 2000 Jahre Geschichtsschreibung ergeben sich 0,2 mm.

Von Anbeginn des Lebens verlief die Entwicklung der Organismen nicht gradlinig und stetig, sondern vielmehr in oft unberechenbaren Sprüngen. Nach geologischen Maßstäben gemessen, starben die meisten Tier- und Pflanzenarten nach einer eher kurzen Zeitspanne aus. Vor diesem als „Hintergrundrauschen“ zu verstehenden Kommen und Gehen der Arten verstärkte sich das Erlöschen ganzer Tiergruppen in Zeiten weltumspannender Katastrophen jedoch um ein Vielfaches. Fünf große sowie einige kleinere Massenaussterben hat man für die Zeit des Phanerozoikums, vom Beginn des Kambrium bis heute, gezählt (Abb. 1)“ Zitat aus Kelber (2003): Sterben und Neubeginn im Spiegel der Paläofloren.

Das Massensterben an der Perm-Trias-Grenze wird als das größte in der Erdgeschichte angesehen. Nie kam das Leben seit dem Erscheinen vielzelliger Lebewesen auf der Erde einer kompletten Auslöschung so gefährlich nahe wie bei dem Zusammenbruch der Ökosysteme an der Perm-Trias-Grenze. Nach den derzeitigen Forschungsergebnissen starben damals in den Ozeanen 57% aller Familien, 83-90% aller Gattungen und 96% aller Arten der im Meer lebenden Organismen aus. Auf dem Festland ist die Aussterberate 70% für die Wirbeltierarten.

Bei diesen Zahlen ist allerdings zu berücksichtigen, dass eine exakte Zuordnung zu Familien, Gattungen und Arten bei Fossilien schwierig ist und damit die Zahlen in den verschiedenen Veröffentlichungen schwanken. Auch ist die Fossilisation auf dem Festland sehr lückenhaft und das Aussterbe-Ereignis im Gegensatz zu den marinen Sedimenten ungenauer dokumentiert (Abb. 2). Die Erholungsphase nach diesem schweren Einbruch dauerte ca. 10 Mio. Jahre.



Abb. 1: Das Phanerozoikum und die 5 größten Massensterben (aus: Lernort Geologie); Handout Kelber












Zwar haben Katastrophentheorien im Wandel der geologischen und paläobiologischen Wissenschaftsgeschichte schon verschiedentlich eine Rolle gespielt, aber erst die intensiven Forschungen der letzten 30 Jahre ermöglichten Einsichten, die unser Wissen über den Fortgang der Evolution unter dem Einfluss von globalen Massenaussterbe-Ereignissen von Grunde auf revolutioniert haben. Dabei ist der Lichtkegel des gegenwärtigen Interesses nach wie vor auf das Entziffern der Muster in den Phasen von Krise und nachfolgender Erholung sowie auf das Aufspüren und auf die Abgrenzung immer neuer Aussterbe-Ereignisse gerichtet. In zunehmendem Maße werden hierbei auch die terrestrischen Ökosysteme der erdgeschichtlichen Vergangenheit mit einbezogen, jedoch erscheint die Erforschung von Massenaussterben in der Pflanzenwelt mit furioser Entwicklung gerade erst in den letzten Jahren begonnen zu haben. Obwohl die diesbezüglichen Untersuchungen keinesfalls als abgeschlossen bezeichnet werden können, soll hier über die bislang erzielten Ergebnisse insbesondere bei den fünf großen Massenaussterben des Phanerozoikums berichtet werden, zusammen mit einem kurzen Abriss über den Gang der Entwicklung der Pflanzenwelt.“ Zitat aus Kelber (2003): Sterben und Neubeginn im Spiegel der Paläofloren.

Als mögliche Auslöser der ökologischen Krise an der Perm-Trias-Grenze werden folgende Ursachen diskutiert:

Der Vortrag gab einen Einblick über das Ausmaß und die möglichen Ursachen dieser Krise und beleuchtete wissenschaftsgeschichtlich die verschiedenen Forschungsansätze zur Entschlüsselung dieses Wendepunktes der biologischen Entwicklung. Im Hinblick einer mehrere Millionen Jahre dauernden Erhohlungsphase nach dieser Naturkatastrophe können die Gesteine der mainfränkischen Trias mit ihren Fossilien neu interpretiert werden.